Donnerstag, 16. Februar 2017

Sieben Wochen zu viert

Sieben Wochen ist das Zwergenbaby nun schon bei uns, die Zeit vergeht unglaublich schnell. Er gehört so selbstverständlich dazu, dass es unvorstellbar ist das er vor kurzer Zeit noch gar nicht da war.
Ich möchte Euch heute ein wenig von den letzten Wochen berichten.

Am 27. Dezember letzten Jahres, dem errechneten Geburtstermin des Zwergenbabys, war ich morgens bei meiner Frauenärztin. Bei der Untersuchung hat sie festgestellt, dass ich viel zu wenig Fruchtwasser habe und die optimale Versorgung deshalb nicht mehr sicher ist. Sie hat mich zur sofortigen Einleitung ins Krankenhaus eingewiesen. Dort wurde, nach nochmaliger CTG und Ultraschall Kontrolle, die Geburt mittels Gel eingeleitet. Nach zehn Minuten habe ich Wehen bekommen.

 
Durch das Einleiten kamen die Wehen heftig und pausenlos. Das hat die Geburt für mich sehr viel schmerzhafter und anstrengender gemacht, als die vom Zwergenkind.
Nach nur fünf Stunden Wehen und einer Stunde im Kreißsaal wurde unser Zwergenbaby um 17.29 geboren. Er war 52cm groß und 3575g schwer. Der Moment auf den wir so lange gewartet hatten war endlich da. Überglücklich konnten wir unseren zweiten Sohn in die Arme schließen.

 
Drei Tage nach der Entbindung durften wir nach Hause. Ich war froh endlich im eigenen Bett zu liegen und mit meinem Großen zu kuscheln. Er war zwar jeden Tag zu Besuch im Krankenhaus, aber er hat mir dennoch unglaublich gefehlt.
Die ersten zwei Lebenswochen vom Zwergenbaby haben wir es ganz ruhig angehen lassen. Wir haben keine Ausflüge gemacht, niemanden besucht und auch keinen Besuch empfangen. Ich brauchte, nach einer schwierigen Schwangerschaft mit vielen Wehwehchen und der anstrengenden Geburt, Ruhe um mich zu erholen. In dieser Zeit ist mir schon aufgefallen, dass unser Zwergenbaby deutlich mehr weint und unzufriedener ist, als unser Großer es war. Ich hab es darauf geschoben, dass auch er erst in dieser Welt ankommen muss und gehofft, dass das viele weinen bald aufhört.
 
Diese Hoffnung hat sich leider nicht erfüllt. Im Gegenteil, es wird schlimmer. Er schreit jeden Tag stundenlang. Wobei schreien eigentlich das falsche Wort ist. Er brüllt. Er brüllt wie am Spieß. Noch nie habe ich ein Baby so brüllen gehört.
Natürlich sind wir mit ihm zum Kinderarzt gegangen, um organische Ursachen für das Brüllen auszuschließen. Er konnte nichts feststellen, was sein Schreien erklärt. Er könnte Bauchschmerzen haben. Also haben wir das volle Programm gegen Bauchschmerzen ausprobiert: Sab Simplex Tropfen, Kümmelzäpfchen, Bauchmassage mit Bäuchleinsalbe, Globuli, Körnerkissen...
Immer nur eine Sache, damit man weiß was ihm hilft. Es hat nichts geholfen.
Alle Tipps die wir bekommen haben, haben wir versucht.
Staubsaugen, Föhn anmachen, Kuscheltier mit Herzschlag, elektrische Wippe, Pucken, vorsingen, im Tragetuch tragen. Auch hier hat nichts eine nennenswerte Veränderung gebracht. In unserer Verzweiflung haben wir einen Robopax gekauft. Das ist eine Art Schüttelplatte für den Kinderwagen. Der Robopax fährt vor und zurück und schuckelt so den Kinderwagen. Wir hatten große Hoffnung in das Gerät, weil er bei Spaziergängen im Kinderwagen meistens zufrieden ist und nicht weint. Leider hat auch der Robopax keine Wunder vollbracht. So laufen wir jeden Tag, wenn die Schreiphasen beginnen mit ihm im Tragetuch oder auf dem Arm durch die Wohnung und summen ihn leise etwas vor. Nächste Woche haben wir endlich den Termin beim Osteopathen. Vielleicht hat er Blockaden, die gelöst werden können und das schreien hat ein Ende. Die Hoffnung stirbt zuletzt...
 
 
Noch nie in meinen Leben habe ich mich so hilflos gefühlt. Das eigene Baby schreit herzzerreißend und alles was man versucht um es beruhigen scheitert. Man verzweifelt, die Nerven liegen blank.
Nachts wechseln der Lieblingsmann und ich uns ab. Einer trägt und schunkelt das Baby und der andere versucht wenigstens ein bisschen Schlaf zu bekommen.
Was mich zusätzlich sehr belastet, ist das schlechte Gewissen dem Zwergenkind gegenüber. Ich habe ständig das Gefühl ihm nicht gerecht zu werden. Viel zu oft muss ich zu ihm sagen: ich kann gerade nicht, ich komme gleich, wir spielen später... weil ich versuche irgendwie seinen Bruder zu beruhigen. Wir hoffen, dass spätestens mit drei Monaten der Spuck vorbei ist und Normalität einkehrt.
 
 
Das Zwergenbaby ist ein sehr neugieriges Baby, er guckt viel und ist mehrere Stunden am Stück wach. Er reagiert auf Geräusche und dreht den Kopf in die entsprechende Richtung.
Mit ungefähr fünf Wochen hat er angefangen uns bewusst anzulächeln. Er lacht und gluckst wenn wir mit ihm reden und mein Mutterherz läuft dabei über vor Glück.
Jetzt mit sieben Wochen kann er seinen Kopf immer besser allein halten.
Er wird, wie sein Bruder auch schon, voll gestillt. Mir ist es wichtig ihn zu stillen und dafür nehme ich die Schmerzen und anfänglichen Probleme gern in Kauf. Inzwischen klappt es immer besser und wir genießen es sehr. Es gibt kaum ein schöneres Gefühl, als sein sattes und zufriedenes Baby im Arm zu halten. Ihm das Gefühl von Liebe, Nähe und Geborgenheit zu vermitteln, denn all das ist Stillen auch.
 

 
Wenn einer von Euch auch ein Schreibaby hat, (was für ein schreckliches Wort) würde ich mich sehr freuen von Euren Erfahrungen und vielleicht auch Tipps zu hören. Schreibt mir gern hier einen Kommentar oder eine Email an zwergenkind@web.de
 

 
 

 


2 Kommentare:

  1. Oh meine Liebe...
    Fühl dich mal ganz fest gedrückt.
    Ja, ich glaube es gehört zu den furchtbarsten Dingen sein Kind schreien zu hören - über Stunden.
    Man will verzweifelt helfen und kann nicht.
    Zum Glück hat bei uns irgendwann der Schaukelstuhl geholfen...auch wenn ich Rückenschmerzen bekommen habe und die Große auch immer vertrösten musste. So hat er wenigstens mal eine halbe Stunde bis Stunde geschlafen....Kinderwagen ging ja lange gar gar gar nicht☹
    Was hilft? Viel Unterstützung von außen und wohl wirklich abwarten...jetzt so langsam wird es besser seitdem der kleine Mann krabbeln kann. Er wird wohl nie ein super ausgeglichenes, zufriedenes Wesen werden....er ist halt so wie er ist 😉
    Ich fühle mit dir
    Ganz ganz liebe Grüße
    Bianka

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    1. Danke für deinen lieben Worte meine Liebe,
      wir hatten ja schon so eine Ahnung, dass sich unsere Kleinen genauso ähnlich sind wie unsere Großen.
      Ich bin gespannt, darauf was der Osteopath sagt und ob es etwas bringt.
      Drück Dich!

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